Schnittstellen

Institutionelle, inhaltliche und methodische Schnittstellen in der Medienökonomie

Institutionell bestehen zahlreiche Schnittmengen der Medienökonomie mit anderen Kreisen in der Scientific Community der Kommunikationswissenschaft (z.B. zur Fachgruppe Computervermittelte Kommunikation, zur Ad-hoc-Gruppe Werbekommunikation und zum Netzwerk Medienstrukturen), der Wirtschaftswissenschaft (z.B. zur Arbeitsgemeinschaft für Marketing) und der Medieninformatik (z.B. zur Gesellschaft für Informatik). Thematisch stehen vielfach die selben Untersuchungsgegenstände im Mittelpunkt, z.B. Onlinemedien, Social TV und mediale Ökosysteme. Schnittstellen existieren auf Makro-, Meso- und Mikro- Ebene. Auch methodisch kann der Austausch zwischen der Medienökonomie, dem Medienmanagement und Nachbardisziplinen fruchtbar sein. Die Stärke bei sekundär- statistischen Datenanalysen innerhalb der Medienökonomie mag bspw. bei Kooperationen zu Big Data Anwendung finden. Im Mittelpunkt der Medienökonomie steht die Medienwirtschaft mit zugehörigen Unternehmen und Produkten als zentrale Untersuchungsobjekte. Aktuelle Entwicklungen in Medienteilsektoren wie TV, Hörfunk, Print, Film, Musik und Games, aber auch der Software-Industrie machen oftmals einen interdisziplinären Zugang zur jeweiligen Fragestellung erforderlich. Solche Ansätze zu einer inter- oder transdisziplinären Zusammenarbeit finden sich zunehmend. Volkswirtschaftler, Kommunikations- und/oder Politikwissenschaftler untersuchen gemeinsam Media Governance (u.a. Seufert;Gundlach 2012), Ingenieure und Ökonomen thematisieren Qualitätsmanagement in den Medien, entwickeln gemeinsam Prototypen für Medienprodukte oder erklären die Softwareindustrie (u.a. Buxmann;Diefenbach;Hess 2013). Kommunikationswissenschaftler, Soziologen und Medienpsychologen untersuchen die Medienrezeption mittels Mensch-Computer-Schnittstellen (u.a. Hasebrink; Schröder; Stark 2008).

Technische und organisatorische Schnittstellen

Technische und organisatorische Schnittstellen spielen auch inhaltlich eine zentrale Rolle in Medienunternehmen und bei digitalen Medienprodukten. Digitale Medien werden natürlich auch aus internationaler Perspektive diskutiert (z.B. Picard;Liu 2014). Benutzerschnittstellen beschreiben das Interface zwischen Mensch und Gerät – hier gibt es Bezüge zu Medienrezeption und -psychologie. Netzwerkschnittstellen verbinden einzelne Netzwerkkomponenten von Informations- und Kommunikationssystemen, sind also der sprichwörtliche Zement der Datenautobahn. Software-Schnittstellen verbinden u.a. Redaktionssysteme mit digitalen Archiven – Medieninformatik und Medientechnologie sind Disziplinen, die an dieser Nahtstelle forschen. Auch organisatorische Schnittstellen existieren in der Medienwirtschaft. Hilfreiche Ansätze finden sich in der Organisationskommunikation.

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Themenfeld „Schnittstellen zwischen Medienökonomie und Medienrezeption resp. Werbekommunikation“:

  • Benutzerführung: Wie können Erkenntnisse aus der Rezeptionsforschung bei der Optimierung von Benutzerschnittstellen Einsatz finden?
  • Interaktive Werbung: Welche interaktiven Werbeformen etablieren sich in digitalen Medien wie Hybrid TV, Social TV und Second Screen zur Werbekommunikation?
  • Medienforschung: Welche Methoden zur Nutzungsmessung werden durch digitale Medien erforderlich bzw. erst ermöglicht?
  • Werbewirkung: Wie lässt sich die Vermarktung digitaler Medien mittels der Nutzung von Rezeptionsstudien weiter verbessern?

Themenfeld „Schnittstellen zwischen Medienökonomie und Medientechnologie“:

  • Integration: Wie lassen sich Content, Organisation und Technologie in Medienunternehmen durch Schnittstellen erfolgreich miteinander verbinden? Welche Interdependenzen bestehen?
  • Produkte: Was sind ökonomische Potentiale neuer Technologien in den Medien (z.B. Augmented Reality, Immersive TV)?
  • Prozesse: Welche Effizienzpotentiale können durch die Digitalisierung noch freigesetzt werden? Welche organisatorischen Schnittstellen sind betroffen?
  • Wissensmanagement: Wie kann die Speicherung von tangiblem und intangiblem Wissen in Medienunternehmen sichergestellt werden?

Themenfeld „Schnittstellen zwischen Medienökonomie und Journalistik“:

  • Crowdfinancing/Paid Content: Welche neuen  Finanzierungsformen redaktioneller Inhalte lassen sich finden? Für welche journalistischen Inhalte ist eine ausreichende Zahlungsbereitschaft der Rezipienten vorhanden?
  • Entrepreneurial Journalism: Welche neue Formen von Journalismus entstehen derzeit?
  • Medienqualität: Welche medienspezifischen und -übergreifenden Qualitätsmaßstäbe etablieren sich in digitalen Medien?
  • User Generated Content: Wie stellt sich der Vergleich zwischen professionellem und partizipativem Journalismus aktuell unter ökonomischen Vorzeichen dar?

Themenfeld „Schnittstellen zwischen Medienökonomie und Mediensoziologie resp. Organisationskommunikation“:

  • Social Media Newsroom: Welche Organisationsformen und organisatorischen Schnittstellen bei der Produktion von publizistischen und sonstigen Medien, aber auch von Social Media, existieren? Welche sind ökonomisch effizient?
  • Sharing Economy: Aus dem sozialen Verhalten des Teilens von Medieninhalten sind tragfähige Geschäftsmodelle entstanden. Wie entwickeln sich diese weiter?
  • Social Software: Wie eignen sich digitale Medien für die Unterstützung von Managementprozessen? Welche Änderungen für das Medienmanagement resultieren? Welche  organisatorischen und technischen Schnittstellen müssen
    berücksichtigt werden?
  • Technology Entrepreneurship: Welche Gründungsaktivitäten ermöglichen die aktuellen und künftigen Technologien in der Medienwirtschaft?

Themenfeld „Schnittstellen zwischen Medienökonomie und Mediengestaltung resp. -psychologie“:

  • Creative Industries: Welche neuen Geschäftsmodelle können in der Kreativwirtschaft entstehen?
  • Silver Surfer: Wie können erfolgreiche Medienprodukte für Senioren und deren Benutzerschnittstellen im digitalen Zeitalter mit Blick auf kognitionspsychologische Erkenntnisse aussehen?
  • User Generated Design: Wie können Nutzer in den digitalen Entwicklungsprozess eingebunden werden?

Themenfeld „Schnittstellen zwischen Medienökonomie und Medienpädagogik“:

  • Kindermedien: Welche Medienprodukte für die Zielgruppe der Kinder bzw. deren Eltern sind ökonomisch erfolgreich und pädagogisch wertvoll?
  • Lebenslanges Lernen: Auch Mitarbeiter in Medienunternehmen stehen unter einem spezifischen Veränderungsdruck – oftmals verbunden mit Konkurrenzdruck durch jüngere  Medienschaffende. Wie werden sie diesem gerecht?
  • Schnittstellenmanager: Wie sieht das Kompetenzprofil des „Medienarbeiters“ aus? Welche Schnittstellenkompetenzen sind erforderlich?
Literaturnachweise:
Altmeppen, Klaus-Dieter; Karmasin, Matthias (2003): Medienökonomie als transdisziplinäres Lehr- und Forschungsprogramm. In: Altmeppen, Klaus-Dieter, Karmasin, Matthinas (Hrsg.): Medien und Ökonomie. Band 1/1 Grundlagen der Medienökonomie, S. 19-52.
Buxmann, Peter; Diefenbach, Heiner; Hess, Thomas (2013): The software industry : economic principles, strategies, perspectives, Springer Verlag, Berlin; Heidelberg 2013.
Hasebrink, Uwe; Schröder, Hermann-Dieter; Stark, Birgit (2008): Elektronische Programmführung im digitalen Fernsehen : Nutzerstudie und Marktanalyse, Vistas, Berlin 2008.
Heinrich, Jürgen (2010): Medienökonomie : Band 1: Mediensystem, Zeitung, Zeitschrift, Anzeigenblatt, 3. Aufl., Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010.
Kiefer, Marie Luise (2005): Medienökonomik : Einführung in eine ökonomische Theorie der Medien, 2., vollst. überarb. Aufl., Oldenbourg Verlag, München; Wien 2005.
Picard, Robert G.; Liu, Yu-Li (Hrsg.) (2014): Policy and Marketing Strategies for Digital Media, Routledge Studies in New Media and Cyberculture, 2014.
Seufert, Wolfgang; Gundlach, Hardy (2012): Medienregulierung in Deutschland : Ziele, Konzepte, Maßnahmen, Nomos Verlag, Baden-Baden 2012.